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Mittwoch, 12-04-2017

Hatha Yoga

Hatha Yoga – harmonisierend und körperorientiert

Raja Yoga, Jnana Yoga, Karma Yoga und Bhakti Yoga sind die vier Yogawege, die zur Erleuchtung führen sollen. Das im 15. Jahrhundert erstmals schriftlich dokumentierte Hatha Yoga ist Teil des Raja Yoga, das den Übenden auf dem meditativen Weg zur Erleuchtung führen soll. Heute ist dieses körper- und atemorientierte Yoga eine der beliebtesten Stile in der westlichen Welt und dient als Grundlage für viele moderne Yogaformen.

Die Entstehung von Hatha Yoga

Ursprünglich war das Hatha Yoga nur eine Teildisziplin innerhalb anderer klassischer Yogastile wie dem Kundalini Yoga. Asanas (Körperübungen), Pranayama (Atemkontrolle) und Meditation waren die Hauptkomponenten. Im Laufe der Zeit wurde jedoch der spezielle Wert dieser Kombination erkannt und mit der gesteigerten Wertschätzung des Körpers, die sich nach und nach entwickelte, wurde Hatha Yoga zu einer eigenen Yogaform, als deren Begründer Goraknath gilt. Der wichtigste überlieferte Text ist die „Hatha-Yoga- Pradipika“, eine Anleitung, in der die wichtigsten Übungen niedergeschrieben sind. Die Vorgaben, die dort gemacht wurden, haben heute noch Gültigkeit.

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Grundprinzipien im Hatha Yoga

Im Hatha Yoga werden die Gegensätze von Sonne („Ha“) und Mond („Tha“), die als polare Grundenergien in jedem von uns stecken, harmonisiert. Die Körperübungen pflegen den Körper, der im Hatha Yoga als Tempel der Seele gilt, heilen und kräftigen ihn. Die durchgeführten Asanas sprechen dabei aber nicht nur den physischen Körper an, sondern wirken ebenso ausgleichend und stärkend auf den Geist. Eine der bekanntesten dynamischen Übungen im Hatha Yoga ist der Sonnengruß, der aus zwölf einzelnen Bewegungen besteht, die hintereinander weg ausgeführt werden. Der Großteil der Asanas wird allerdings statisch geübt. Beim Sonnengruß wird der komplette Körper angesprochen, das Sonnengeflecht, das als Sitz der Emotionen gilt, wird auf der energetischen Ebene besonders stark angesprochen.

Am Anfang einer Yogastunde stehen oft die Pranayama, das sind Atemübungen, die „Prana“, die Lebensenergie wecken und im Körper anreichen sollen. Die bewusste Atmung ist eine Vorstufe der Meditation und hilft dabei, sich seines Körpers und dessen Funktionen bewusst zu werden. Dadurch ist es möglich, genauer auf die Körpersignale zu achten, was wiederum die Durchführung der Asanas erleichtert.

Shatkryiyas, Mudras, Bandhas

Ein weiterer Aspekt des Hatha Yoga sind die Shatskriyas, verschiedene Reinigungstechniken, die allerdings von vielen westlichen Yogis vernachlässigt werden. Die Haupttechniken sind „Neti“, die Nasenspülung; „Kapalabhati“, die Feueratmung; „Dhauti“, die Reinigung des oberen Verdauungskanals; „Nauti“, die Darmreinigung und „Basti“, der Einlauf.

Eine bedeutende Rolle spielen auch die „Mudras, spezielle Finger- und Handpositionen, die bestimmte Ebenen ansprechen und darauf stärkend und heilend wirken. Eine ähnliche Wirkung haben die „Bandhas“, die Körperverschlüsse, die durch Anspannung bestimmter Körperregionen die Energie halten und verstärken.

In der ursprünglichen indischen Philosophie dient das Hatha Yoga dazu, auch den Geist zu beherrschen. Wie bei jeder Yogaform ist auch hier der Übende vollverantwortlich für sein tun. Jeder muss für sich selbst entscheiden, wie intensiv eine Asana durchgeführt werden kann, ohne dass es zu Erschöpfungserscheinungen oder Überdehnungen kommt. Allmählich schlägt sich dieser achtsame und bewusste Umgang mit sich selbst auf das ganze Leben nieder und wird zum Teil der Geisteshaltung.